In Wolfenstein spielt man William „B.J.“ Blazkowicz, hoch dekoriertes
Mitglied im Amt für Geheimoperationen (AfG). Der Held wird zur Zeit des
zweiten Weltkrieges zu einer Spezialmission ausgesandt, um in
Deutschland nach Beweisen zu suchen, dass die Wölfe (im Spiel werden so
die Nazis genannt) eine neue und geheimnisvolle Macht besitzen. Von
Feinden umringt findet man heraus, dass diese weit mehr getan haben,
als nur eine neue Waffe zu entwickeln. Die Wölfe nutzen die Macht einer
dunklen Paralleldimension, um eine Waffe zu erschaffen, mit der sie
über alles herrschen werden. Und dass diese Macht so einiges kann,
sieht man schon im Introvideo.
Bei Wolfenstein handelt es sich
zwar um einen typischen Egoshooter, jedoch gibt es auch einige tolle
Features welche man nicht unbedingt bei einem Spiel dieses Genres
erwartet. Man beginnt in der Stadt sich mit Untergrundbewegungen
zusammenzuschließen um das Übel zu beseitigen. Die Stadt ist frei
begehbar, und bietet neben verschiedenen Stadtteilen auch noch
versteckte Objekte, meist Gold womit man Upgrades für Waffen
Freischalten kann. Dazu jedoch später mehr. Natürlich wimmelt es auch
in der Stadt nur so von Gegnern, welche mit fortschreitendem
Spielverlauf auch stärker werden. Im Gegensatz zu vielen anderen
Shootern, hat man die Möglichkeit mehrere Missionen zu erhalten, und
kann im Menü entscheiden welche man zuerst spielen will. Zur
Orientierung helfen einem eine Karte im Menü und ein gut
funktionierender Kompass mit Wegpunktanzeige zum nächsten Missionsziel.
Obwohl die Stadt frei zu begehen ist, fallen die Wege bei den einzelnen
Missionszielen (wie z.B. einer Konservenfabrik oder einem
Forschungslabor) sehr linear aus. Zwar gibt es einige alternative Wege
und verschiedene Zimmer zu erkunden, aber schlussendlich führt immer
nur ein Weg zum Ziel. Erkunden sollte man aber auf jeden Fall, da man
dadurch nicht nur Gold, sondern auch Geheimunterlagen und okkulte
Bücher findet, die man für die Waffenupgrades benötigt.
Natürlich
muss man sich nicht mit den bloßen Händen der Gegnerschar erwehren. Man
kann eine Vielzahl an Waffen nutzen. Da gibt es natürlich die
altbekannte MP40 Maschinenpistole, einen Karabiner, aber auch
Nahkampfwaffen, den Panzerschreck und einen Flammenwerfer. Als
besondere Leckerbissen hat man auch noch die Möglichkeit eine
Partikelkanone und eine Teslakanone zu verwenden. Es muss hier wohl
nicht erwähnt werden, dass gerade die zu letzt genannten jede Menge
Schaden anrichten können. Zusätzlich zu den „normalen“ Waffen besitzt
man auch ein Medaillon, mit welchem man sich in die dunkle Schleierwelt
begeben kann. Dies ist zwar zeitlich begrenzt, aber dadurch hat man die
Möglichkeit versteckte Zugänge und Schätze zu entdecken, oder manche
Schwachstelle der Gegner zu lokalisieren. Des Weiteren kann man mit dem
Medaillon einen Schutzschirm starten, die Waffenkraft verstärken, oder
die Zeit zu verlangsamen. Auf dem Schwarzmarkt kann man mit Geld,
welches man durch das Finden von versteckten Goldvorräten bekommt,
Verbesserungen für die Waffen, aber auch Upgrades für das Medaillon
kaufen. Diese muss man oft Freischalten durch das auffinden von den
schon erwähnten Geheimunterlagen oder okkulten Büchern.
Bei
einem Spiel wie Wolfenstein ist natürlich eines ganz wichtig: eine gute
Steuerung. Hier kann man den Entwicklern nur Lob aussprechen. Den
Helden zu bewegen und das zielen mit der Waffe funktioniert sehr
flüssig und ist auch für Anfänger des Genres sehr schnell mit dem
Joypad erlernt. Wie schon die Steuerung so ist auch die Grafik
technisch gut umgesetzt. Man hat zwar bei Egoshootern schon einige
bessere Grafiken auf der PS3 gesehen, aber schon weit aus mehr
schlechtere. Die Charaktere sind detailliert und auch die verschiedenen
Umgebungen sehen sehr schön und abwechslungsreich aus. Was mir wirklich
gut gefallen hat ist, dass ich während des ganzen Spielens nie einen
gröberen Fehler gesehen habe. Kein Tearing, kein Ruckeln, kein
Clipping, nichts. Alles läuft sehr flüssig, was natürlich auch
erheblich zum Spielspass beiträgt. Auch die Sounds sind gelungen und
tragen neben der sehr guten musikalischen Untermalung zum guten Feeling
des Mysteryshooters bei. Die oft bei bestimmten Wegen auftretenden
Ladezeiten, vor allem wenn man in einem Stadtteil nur kurz durchläuft
um gleich darauf in einen anderen zu gehen, sind ab und zu lästig.
Außerdem läuft man durch die Stadt (Isenstadt) leider sehr viel. Immer
wieder klappert man dieselben Straßen ab. Man kann das wirklich schon
als Isenstadt-Sightseeing Tour bezeichnen. Und wenn man ehrlich ist,
ist auch die Geschichte nicht gerade spannend erzählt. Zwar ist die
Story an sich gut, aber sie wird leider zu lasch präsentiert. Auch
fühlt man mit seinem Helden nicht wirklich mit. Er wirkt sehr blass als
Charakter. Wenigstens ist die Spielzeit im Singleplayer mit ca. 9-10
Stunden recht ordentlich ausgefallen.
Das Gameplay an sich ist
zwar Shooter-typisch, aber durch die tollen Upgrademöglichkeiten und
die verschieden Möglichkeiten die sich vor allem durch das Medaillon
ergeben um eine Szenerie zu meistern, kommt eigentlich fast nie
Langeweile auf. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Gegnertypen
und tolle Endgegner (Alphawölfe) die es in sich haben. Der
Schwierigkeitsgrad ist nicht immer fair ansteigend und schwankt ab und
zu, hat mich jedoch trotzdem nie an den Rand der Verzweiflung gebracht.
Natürlich hat auch mein Held des Öfteren das zeitliche gesegnet, aber
die Wiedereinstiegspunkte sind gut gewählt. Ja, speichern kann man
leider nicht dort wo man will. Aber mit ein bisschen Überlegen und der
Hilfe des Medaillons sind schlussendlich alle Gegner nur eines:
Kanonenfutter. Da spielt vor allem die nicht vorhanden zu sein
scheinende Gegner-KI eine große Rolle. Zu einfallslos wird man von den
Gegnern in die Zange genommen. Trotz allem bleibt Wolfenstein trotzdem
nur was es auch sein soll, nämlich ein reinrassiger Shooter.
Selbstverständlich gibt es aber auch hier wieder PSN-Trophies zu
erspielen. Im Singleplayer, aber auch online.
Natürlich gibt es
auch bei Wolfenstein einen Multiplayer. Es gibt das typische
Team-Deathmatch, aber auch die Varianten „Ziel“ und „Stoppuhr“. Der
Ziel-Modus ist eigentlich nichts anderes als ein Angriffs-Verteidigungs
Spiel. Der Stoppuhr-Modus macht recht viel Spaß, da sich in dem
Zeitbasierendem Modus die Teams beim erfüllen von Zielen abwechseln,
und jenes mit der besten Zeit gewinnt. Es gibt auch 3 Klassen zur
Auswahl. Es gibt den Soldaten (hat Zugriff auf schwere Waffen um
Deckung und Unterstützung zu bieten), den Techniker (kann Leitern und
MGs montieren, Sprengsätze legen und entschärfen, sowie Munitionspacks
zuwerfen) und den Sanitäter (kann Kameraden heilen und wieder beleben).
Leider habe ich im Multiplayer das Problem nur joinen zu können, weil
mir das Spiel (trotz meiner wirklich guten DSL Leitung) sagt ich hätte
nicht genug Bandbreite um ein Spiel zu erstellen. Ich würde das
verstehen wenn ich ein Spiel wie „Battlefield 1942“ hosten wollen
würde, aber bis jetzt hatte ich noch nie Probleme ein Spiel für 12
(manchmal sogar mehr) Spieler zu leiten. Da wünsche ich mir auf jeden
Fall noch einen Patch für die Netzwerkkomponente.
Trotz der
leider geschnittenen deutschen Fassung macht das Spiel eine Menge Spaß.
Man muss dieses Spiel akzeptieren als das was es sein soll: ein
reinrassiger Egoshooter mit okkultem Thema und netten Spielereien durch
das Medaillon. Trotz nicht mehr ganz zeitgemäßer Grafik kommt eine gute
Stimmung auf. Die ca. 9-10 Stunden Spielzeit sind außerdem schon fast
das Doppelte was man sonst von Shootern heutzutage bekommt. Shooterfans
die auf Realismus verzichten, und über die Schnitte (Symbolik,
fehlendes Body Dismemberment) hinwegsehen können werden sicher ihren
Spaß haben. Probespielen sollte man diesen Titel allemal, auch wenn er
nicht an seinen direkten Vorgänger rankommt.