„Operation Flashpoint“ war damals (2001) eines meiner absoluten
Lieblingsspiele. Noch nie zuvor wurde das Soldatenleben in einem
3D-Shooter so realistisch dargestellt. Von den elend langen Fußmärschen
und den Fahrten mit Militärfahrzeugen, bis hin zu den wirklich
realistischen Missionen und Kämpfen war wirklich alles vertreten von
dem viele Militärspielfreunde lange nur Träumen konnten. Auch ich habe
dieses Spiel geliebt und unzählige Nächte damit verbracht mich vor den
feindlichen Kugeln in Sicherheit zu bringen. Umso größer war meine
Freude, als ich hörte dass das neue Flashpoint auch für PS3 erscheint.
Ging es im ersten Spiel noch um den kalten Krieg, so wurde das Setting
diesmal auf eine Insel verlegt, welche die Chinesen von den Japanern
annektiert haben. Als US-Trupp hilft man dem Verbündeten und begibt
sich auf diese Insel namens Skira und unterstützt die Japaner in ihrem
Kampf. Das ganze klingt nach einer heiklen und schwierigen Aufgabe, und
das ist es auch.
In Operation Flashpoint: Dragon Rising spielt
Ihr diesmal zwar nicht in einer Einheit mit vielen Soldaten, sondern in
einem Viererteam, aber das ist zu verschmerzen. Das Hauptspiel ist
natürlich die Kampagne mit dem Namen „Der Drache erhebt sich“. Als
Truppführer des USMC müsst Ihr Euch in 11 Missionen gegen die
Luftlandtruppen der chinesischen Volksbefreiungsarmee durchsetzen. Die
einzelnen Missionen bieten zwar abwechslungsreiche Einsätze und
sekundäre Missionsziele, jedoch ist nach ca. 5-6 Stunden aber auch
schon wieder Schluss. So kurz die Kampagne ist, so schwach wird auch
die Geschichte erzählt. Zwar gibt es am Anfang ein gutes Intro, danach
wird aber einfach nicht konsequent weitererzählt. Auch die Kameraden
werden nicht wirklich gut eingeführt und in die Geschichte eingebunden,
so dass es Euch ziemlich egal ist ob einer davon das Zeitliche segnet.
Hat man das Hauptspiel durch, gibt es immerhin noch die Möglichkeit
Einzelmissionen und Freigeschaltete Truppeinsätze zu spielen.
Spielerisch
bietet das Game so einiges. Neben dem gewohnten in Egoperspektive
typischem spielen, hat man auch die Möglichkeit seinen Kameraden
einzeln oder in der Gruppe Befehle zu erteilen und man kann sie auch
über eine Karte zu gewissen Punkten navigieren. Dabei gibt es
verschiedene Gruppenmöglichkeiten und verschiedene Taktiken aus denen
man wählen kann. Im Einsatz schlagen sich die Kollegen zwar recht OK,
aber bei erteilten Befehlen beißt man ab und zu vor Frust ins Gamepad.
Sehr oft wollte einer der Soldaten nicht dort hingehen wo seine
Kameraden schon hingegangen sind. Nach etlichen hin und her Befehlen
schafft man es schlussendlich doch, aber das ganze dauert und nervt
ganz einfach. Auch die Gegner haben so ihre Probleme. Entweder sie sind
wahre Meisterschützen, oder aber sie merken die Bedrohung nicht einmal
wenn sie 3 Meter neben ihnen steht. Auch der einfachste
Schwierigkeitsgrad ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Nur zu oft
spielt man nach dem Trial and Error Prinzip. Noch dazu hat man nicht
die Möglichkeit zu speichern wann man will. Das Spiel speichert immer
automatisch an Savepoints. Diese sind oft gut gewählt, manchmal aber
eben auch nicht.
Das dieses Spiel in Sachen Realismus an seinen
Vorgänger heranreichen will ist logisch. Auf Grund der riesigen Karte
und den unterschiedlichen Landschaften kommt man richtig in Stimmung
und vergisst auch schon mal dass man sich bereits mehrere Minuten auf
dem Weg zu einer Mission befindet. Natürlich sind auch die Kämpfe sehr
realistisch. Nachwuchs-Rambos werden hier keine Chance haben. Wie in
einem richtigen Krieg zählt auch hier die Tarnung, bzw. dass man sich
unauffällig in das Zielgebiet begibt. Es genügen nämlich wenige, bis
manchmal sogar nur ein, Treffer um die Radieschen von unten zu sehen.
Und wenn es dann so richtig losgeht zählt nur mehr eines, in Deckung
gehen. Leider gibt es dabei aber keine Möglichkeit um die Ecke zu
sehen, oder aus der Deckung heraus über Mauern oder ähnliches zu
feuern. Auch die nicht vorhandene Möglichkeit sich vor einer Mission
Waffen auszuwählen ist ein Manko. Dafür kann man von Gegnern
Fallengelassene Waffen aufheben und verwenden.
Wie im Original
gibt es auch in der neuen Version verschiedene Fahrzeuge denen man sich
stellen muss, oder mit welchen man sich fortbewegen kann. Natürlich
kann man beim fahren und fliegen die Position im Gerät einnehmen welche
man am liebsten hat, und die Teammitglieder aufteilen. Das Steuern der
Fahrzeuge funktioniert sehr einfach und auch das Fliegen mit dem Heli
wurde gut umgesetzt. Auch hier gibt es aber einen massiven Minuspunkt.
Die Fahrzeugphysik ist wirklich nicht gut gelungen. Denn wenn man mit
einem Jeep samt Bordschützen gegen einen kleineren Felsen fährt, sich
dreimal überschlägt und danach ohne Schäden und mit lebendem
Bordschützen wieder auf den Reifen landet und weiterfahren kann als ob
nichts geschehen ist, dann ist das weniger realistisch als viel mehr
ein Wunder und ein physikalisch unkorrektes Ereignis. Spätestens wenn
man einen Hubschrauberpiloten abschießt, der Hubschrauber im Wald
runterkommt, und die gesamte Mannschaft überlebt, man selbst nach dem
folgenden Feuergefecht den Hubschrauber wieder reparieren kann (weil
nur die Rotorblätter kaputtgegangen sind) um dann locker wieder
Loszufliegen, fragt man sich wiese die Kämpfe so realistisch gestaltet
wurden wenn die Physik so dermaßen unrealistische Dinge zulässt. Auch
sind insgesamt viel weniger Fahrzeuge enthalten als im Original.
Grafisch
sieht Operation Flashpoint: Dragon Rising sehr nett aus. Vor allem wenn
man bedenkt, dass man sich ohne Einschränkungen auf einer über 200 km²
großen Insel bewegen kann. Die Soldaten, Waffenanimationen, Fahrzeuge
und die gesamte (sehr abwechslungsreiche) Landschaft sehen für
Konsolenverhältnisse wirklich sehr hübsch aus, obwohl vereinzelt
Clippingfehler auftauchen. Auch die Sounds sind gut gelungen. Die
Schüsse, Fahrzeuge und Umgebungsgeräuschen wirken sehr realistisch.
Einzig die Meldungen der Kollegen nerven, da man hier keine kompletten
Sätze eingebunden hat, sondern aus vorgegebenen Sätzen und Wörtern
immer die scheinbar passenden Sätze zusammen baut. Das klingt ab und zu
wirklich übel. Der in der PC-Version vorhandene Leveleditor, mit dem
man sich eigene Missionen zusammenstellen kann, ist auf der PS3-Version
leider nicht vorhanden. Es gibt aber wieder jede Menge PS3-Trophies zu
erspielen.
Natürlich kann man Operation Flashpoint: Dragon
Rising auch im Multiplayer spielen. Es gibt zwar keine
Splitscreenvariante, aber Online lassen sich vier unterschiedliche Modi
zocken. Zwei davon sind Koop. Man kann Einzelmissionen zusammen
spielen, aber auch die Kampagne lässt sich Mission für Mission
nachspielen. Es gibt auch noch den Vernichtung-Modus, bei dem es sich
um ein klassisches Team_Death-Match handelt. In der Variante
Infiltration greift ein kleines Team eine Basis der zahlenmäßig
überlegenen Verteidiger an, um ein Zielobjekt zu zerstören. Alle Modi
machen Spaß, vor allem aber natürlich die Koop-Modi wenn man sie mit
Freunden spielt. Was mir persönlich gefallen hat ist, dass es endlich
wieder einen Serverbrowser gibt, und nicht nur die leider schon
üblichen Schnellverbindungen.
Insgesamt hinterlässt Operation
Flashpoint: Dragon Rising einen noch guten Eindruck. Leider hat man
aber komplett gesehen bei zu vielen Dingen nicht das richtige gemacht,
bzw. geschlampt. So macht das Spiel zwar Spaß, kann sich aber nicht aus
der Masse herausheben und einen ebenso bleibenden Eindruck hinterlassen
wie das 2001er Spiel. Realismus-Fans werden durch die Fahrzeugphysik
nicht so wirklich bedient, und für reine Action-Fans ist das Spiel
wieder eine Spur zu komplex. Ich empfehle das Spiel Probe zu spielen
und sich selbst ein Bild zu machen. Operation Flashpoint: Dragon Rising
wird sicher seine Fans finden.