Tim Schaefer ist zurück! Nach dem er mit dem Action-Adventure Psychonauts zwar sehr viel Kritikerlob einfahren konnte, jedoch finanziell keinen großen Hit landete, kommt nun sein neuester Streich: Brütal Legend,
eine Mischung aus Action-, Renn- und Strategiespiel, welches in einer
abgefahrenen Metal-Welt spielt und sich eben als eine humorvolle
Hommage an jenes Musik-Genre darstellt.
In Brütal Legend
verkörpert ihr den Roadie Eddie Riggs - im Original gesprochen von
Comedian, Schauspieler und Tenacious-D-Sänger Jack Black, welcher für
eine moderne Jugend-Nu-Metal-Band arbeitet und selber aber ein klarer
Fan der alten Metal-Garde alá Black Sabbath oder Motörhead ist. Während
eines Konzerts kommt es zu einem Unfall, bei dem Eddie gleich mal von
der ganzen Bühnen-Kulisse erschlagen wird. In diesem Moment taucht
plötzlich eine riesige Metall-Bestie auf und teleportiert den Helden in
eine seltsame Parallel-Welt. Diese ist der Schauplatz des Spiels und
ist komplett frei begehbar. Hier herrscht ein dunkler Tyrann, der die
Menschen versklavt hat. Eddie gilt als der Außerwählte und schließt
sich einer Reihe von Rebellen an. Seine Aufgabe ist es nun, die
Menschen zu befreien und eine Armee zusammenzustellen, um so das Land
von den bösen Mächten zu befreien. Die Geschichte an sich ist nicht
sonderlich einfallsreich oder spannend, ist aber toll präsentiert
aufgrund der gesamten Atmosphäre, dazu aber weiter unten mehr.
Auf den ersten Blick gestaltet sich Brütal Legend
als ein typisches Open-World-Actionspiel: Ihr durchstreift die Welt,
nehmt Missionen an und verkloppt so allerlei Kreaturen. Dazu stehen
euch zwei Waffen zur Verfügung: Eine Axt, mit der ihr die Gegner im
Nahkampf zerschnetzelt, und eine Gitarre, welche als Fernkampfwaffe
dient, indem ihr eure Gegner mit Blitzen schockt. Die Kämpfe gestalten
sich dabei als äußerst simpel, machen aber dennoch viel Spaß, da man
hier, wie in God of War, allerlei Kombos ausführen kann. An dessen Genialität kommt das Spiel in diesem Punkt aber nicht heran.
Auch
dann, wenn ihr euer Auto, den sogenannten "Teufel", erhaltet, bleibt
der Eindruck von einem reinen Actionspiel erhalten. Der Wagen lenkt
sich nämlich äußerst arcadig und dient ebenso als Waffe.
Doch schon nach kurzer Spielzeit kommt der Moment, wo man denkt: "Was soll das denn jetzt?" So hat Brütal Legend nämlich auch einen großen Strategiepart. Auf den ersten Blick wirkt dieser noch wie ein kleiner Overlord-Klon,
da ihr nur einen sehr kleinen Truppenverband unter eurem Befehl habt
und diesem per Digi-Kreuz Befehle gebt: "Position halten", "Mir folgen"
oder "XY angreifen". Doch schon kurze Zeit später erweitert sich das
ganze auf die sogenannten "Stage Battles". Bei diesen müsst ihr eure
Musik-Bühne verteidigen, in dem ihr Einheiten rekrutiert und diese
gegen den Feind in die Schlacht schickt. Das kostet euch Ressourcen und
es gibt auch unterschiedliche Truppentypen: Nahkämpfer, Fernkämpfer,
Supporter. Tatsächlich gestaltet sich Brütal Legend in diesen
Momenten als ein Echtzeit-Strategietitel, in dem ihr jedoch selbst über
das Schlachtfeld lauft, bzw. später fliegt, und auch selber in den
Kampf eingreifen könnt. Und das ist auch dringend nötig, denn sonst
gewinnt ihr keinen Blumentopf. Leider verlieren die Stage Battles
leicht an Übersicht und spielen sich viel zu hektisch. Zudem wird jeder
Spieler, der einen reinen Actiontitel erwartet hat, erstmal einen
WTF-Moment haben, wenn er den ersten Stage Battle absolvieren muss.
Herr Schaefer, was sollte das?
Obwohl das Spiel eine offene Welt
bietet, und neben der Hauptstory auch noch Nebenquest beinhaltet,
welche allerdings mit Abwechslung arg geizen, ist es ein relativ kurzes
Vergnügen. In gerade einmal 6 bis 8 Stunden lässt sich der Titel
durchspielen. Zwar gibt es in der Welt noch relativ viel zu entdecken,
aber das reißt es auch nicht mehr heraus. Sehr cool ist jedoch die
Möglichkeit, den Teufel oder die beiden Waffen gegen Feuerattribute,
die ihr euch durch Missionen und diverse Entdeckungen in der Welt,
beispielsweise Aussichtsplattformen oder gefesselte Drachen,
aufzuwerten. So könnt ihr eurer Axt zum Beispiel einen zusätzlichen
Feuer-Schaden verpassen oder euer Auto mit Primär- und Sekundärwaffen
ausrüsten. Ein nettes Feature, das zum Weiterspielen motiviert. Sehr
cool sind auch die zahlreichen Gitarren-Solos, die ihr im Spielverlauf
erlernt. Mit diesen könnt ihr unter anderem den Teufel herbeirrufen
oder besonders starke Attacken ausführen. Dazu sucht ihr euch das
jeweilige Solo in einem Pop-Up-Menü aus und spielt dieses in Guitar-Hero-Manier auf eurer Gitarre. Herausfordernd ist das nicht, aber es hat einfach Style.
Und Style wird bei Brütal Legend
ganz groß geschrieben. Die Welt sieht so aus, als hätte man 100
Coverbilder von Metal-Alben aneinandergereiht, das Design der Monster
und Charaktere ist fantastisch und jederzeit läuft bekannte Metal-Musik
im Hintergrund: Von Black Sabbath über Motörhead, In Flames, Manowar,
Kiss, Slayer und Marilyn Manson bis hin zu Tenacious D, der Band von
Jack Black. Dieser spricht seine Rolle übrigens grandios. Und er ist
nicht der einzige Prominente, der in dem Spiel vertreten ist. Auch
Lemmy Kilmister von Motörhead und Ozzy Osbourne sind als digitale
Abbilder zu sehen. Auch die deutsche Sprachausgabe ist sehr gut
gelungen. Hier wird Eddie von Jack Black's Standard-Synchronsprecher
vertont. Wer also das Spiel lieber komplett in Deutsch spielen möchte,
der kann das auch ohne schlechten Gewissens tun. Denn auch so
funktioniert der geniale Humor von Brütal Legend sehr gut. Der
Titel ist quasi ein humorvoller Kniefall vor der Metal-Szene und
natürlich deren Musik, so ähnlich wie ein "Shaun of the Dead" keine
Parodie von Zombie-Filmen, sondern eine ehrenvolle, aber eben auf
Lustigkeit getrimmte Hommage ist. Und das finde ich super!
Dafür
ist die Grafik nicht so der Brüller. Technisch ist das Spiel eher
veraltet, bietet unscharfe Texturen und ruckelt auch hier und das ganz
schön. Dafür bietet es, wie bereits erwähnt, dieses fantastische
Art-Design. Aber trotz des Comic-Looks wäre eine etwas hübschere Engine
nicht schlecht gewesen. Hässlich ist das Spiel jedoch nicht.
Ein
Kritikpunkt ist auch der Multiplayer. Dieser besteht nämlich nur aus
den Stage Battles, in dem ihr euch eine von drei Fraktionen aussucht
und dann gegen bzw. mit anderen Spielern zusammen in die Schlacht
zieht. Wer diesen Aspekt von Brütal Legend also nicht mag, der wird auch an dem Mehrspieler-Modus keinen Gefallen finden.
Kommen wir zum Fazit: Insgesamt hat mich Brütal Legend
sowohl verzaubert, als auch enttäuscht. Denn auf der einen Seite ist es
spielerisch ein eher halbgarer Mix. Der Strategieteil missfällt mir
total und ist auch nicht sonderlich gut gelungen und die Action- und
Renn-Sequenzen machen zwar Spaß, hat man aber schon in anderen Spielen
besser gesehen. Auf der anderen Seite ist das gesamte Art-Design des
Spiels grandios. Die Charaktere sind einfach nur genial umgesetzt, die
Musik fetzt ordentlich, der Humor ist klasse und Jack Black ist einfach
einer coolsten Typen auf der ganzen Welt. Wenn ich also nur den
spielerischen Kern bewerten würde, käme Brütal Legend nicht
über eine hohe 70er-Wertung hinaus, da auch die Technik nicht
überzeugen kann. Aber Atmosphäre und der künstlerische Aspekt müssen
auch in die Wertung mit einfließen und da muss man sich fragen, wie gut
diese umgesetzt wurden? Und da ich diese Frage oben schon bewertet
habe, kann ich nur sagen, dass der Titel für jeden Metal-Fan ein klarer
Pflichtkauf ist, trotz der spielerischen Mängel. Denn Spaß macht Tim
Schaefers Spiel in jedem Fall. Wer jedoch mit der Musik und deren Szene
nichts anfangen kann, der lässt besser die Finger von Brütal Legend.