Pure Football – ein Fußballspiel mit Leidenschaft – zumindest dem Namen
nach zu urteilen. Seit Ende Mai ist der als Fun-Action-Soccer
herausgegebene Titel auf dem Markt. Ob er Fifa Street ähnelt – und wenn
ja, ihm Konkurrenz machen kann, so steht uns ein wunderbarer Titel ins
Haus. Doch die Betonung liegt auf „kann“!
Rein äußerlich kann der
Titel EA's „Giganten“ gerecht werden. Der Titel kostet unter 30€ und
auf dem Cover ist Lukas Podolski zu sehen, ein Zeichen
dafür, dass an Lizenzen wahrscheinlich nicht gespart wurde. Dies zeigt
sich auch nach Einlegen der Disc, denn in den Startbildschirmen sieht
man die Logos der verschiedene Fußballverbände der Welt, unter anderem
auch das des DFBs.
Auch das Titelmenü macht einen guten
Eindruck. Zwar gibt es „nur“ Auswahl zwischen einem freien Spiel, einem
Online-Modus und der Karriere, für ca. 30€ braucht man aber auch nicht
mehr erwarten und der Titel wird damit den Anforderungen des Umfangs
schonmal gerecht. Was einem hinter einem Online-Modus und einem freien
Spiel erwartet, sollte jedem klar sein, doch kann der Karriere-Modus
überzeugen?
Doch bevor ihr in die Karriere hineingeworfen werdet,
könnt ihr erstmal ein kleines Tutorial absolvieren. Dieses zeigt einem
fast alle Möglichkeiten, die das Spiel auf dem Platz aufbietet. So habt
bereits einen kleinen Überblick darüber, was ihr tun könnt und geht
nicht ganz ahnungslos in das erste Spiel. In der Karriere angekommen,
müsst ihr euch euren Charakter, der später den Kapitän der Mannschaft
stellt, gestalten. Hier habt ihr zahlreiche Möglichkeiten ihn von Kopf
bis Fuß zu kreieren und ihm einen Namen zu geben. Anschließend dürft ihr
euch einen Namen für euer Team aussuchen, sowie Heim- und
Auswärtstrikots festlegen und das Logo auswählen.
Die Story ist
einfach gehalten. Ihr habt 28 Tage Zeit, um euch unter die besten acht
Clubs der Welt zu mischen. Doch hierfür müsst ihr gegen andere Team
antreten. Dies passiert in mehreren Städten und mehreren Modi. So
schaltet ihr nach eine gewissen Anzahl erfüllter Missionen die jeweils
nächste europäische Stadt frei, in der ihr antreten könnt. Häufig sind
es Missionen à la „Schieße zuerst zwei Tore“, „Gewinne das K.O-Turnier“
etc. Nach erfolgreichem Abschluss einer Mission steigt ihr im Rang auf,
erhaltet Talentpunkte und könnt euch gewonnene Spieler transferieren, um
stärker zu werden. Für die Spieler müsst ihr bestimmte Aufträge
innerhalb eines Matches erfüllen, zum Beispiel durch gewinnen einer
Anzahl an Zweikämpfen oder dem Aufrechterhalten einer Passstatistik.
Doch
auch wenn sich bislang alles ganz gut anhört, enttäuscht das Spiel auf
dem Platz, was einen dicken Abzug in der Wertung bedeutet.
Den
Anfang mache ich bei der Steuerung. Seid ihr im Ballbesitz, seht ihr
neben dem angewählten Spieler mehrere Pfeile. Diese zeigen euch die
Positionen der anderen Spieler an und wie optimal seine Position ist.
Dies führt schnell zur Unübersichtlichkeit und so misslingen ab und an
schonmal Pässe, da ihr zu einem Spieler passen wollt, der ungedeckt ist.
Außerdem ist die Steuerung in der Defensive eher schlecht als recht,
denn so dauert es teilweise gefühlte Stunden, den Spieler anzuwählen,
den man steuern möchte. Da die Intelligenz der nicht gesteuerten
Teamkameraden gleich Null ist, passiert es in dieser Zeit häufig, dass
der Stürmer der Gegner durch ist. Da die Torhüter Fliegenfänger sind,
sind diese Bälle häufig drin.
Aber auch das Schuss-, Flanken- und
Eckballsystem ist keine Wonne. So kommt es hier ähnlich wie bei Mario
Strikers Charged auf eure Geschicklichkeit an. Schafft ihr es, den Pfeil
in einem weißen Bereich zu stoppen, schießt ihr besonders scharfe
Schüsse auf das Tor bzw. spielt besonders präzise Flanken. Dies ist
häufig ziemlich nerven, denn ist die Anzeige im grünen Bereich, ist der
Schuss zwar noch gut, wird aber häufig gehalten und im roten Bereich
geht er daneben, sodass sich ein Torreigen zum Teil hinzieht.
Freistöße
gibt es zwar keine, aber trefft ihr den Gegenspieler mit einer
Grätsche, lädt sich eure Foulanzeige auf. Ist diese voll, gibt es einen
Elfmeter für den Gegner. Dies führt oft zu einer Menge Frust, da es
diese z.T. schon bei zwei Grätschen gibt. Relativ häufig spielt man zwar
den Ball, was eigentlich kein Foul ist oder eines der
computergesteuerten Mitspieler grätscht ohne Sinn in den Gegenspieler,
dennoch gibt es einen Strafstoß, der zu 90% verwandelt wird. Hier ist
Ärger vorprogrammiert.
Des Weiteren ist der Schwierigkeitsgrad sehr
unrealistisch. So ist Pure Football am Anfang total schwer und man hat
das Gefühl, keine Schnitte gegen den Gegner zu haben. Nach ein wenig
Einspielzeit und der richtigen Taktik, schlägt man zum Teil viel
stärkere Gegner zweistellig, sodass es dann auch keinen Spaß mehr macht.
Auf dem Platz läuft also eine Menge schief.
Technisch ist das
Spiel souverän. Die Bolzplätze sind schön und ihrer Umgebung angepasst.
In München sieht man die Alpen und in London das Glashaus. Leider
vermisse ich Zuschauereffekte und Zurufe, damit sich ein Stadion-Feeling
breit macht. Dafür machen sich die Spieler auf dem Platz aber
gegenseitig Zurufe.