NHL 10
Lesermeinung:  
SchwachPerfekt 
Xbox360 - Xbox360 Reviews


Simon Winzer für GameFeature.de

Etwas früher, aber ungefähr zeitglich erschienen NHL 2k10 und NHL 10 für die Xbox360. Letzteres werde ich nun vorstellen und in Kürze zeigt sich, ob die neue Version von EA's Eishockey-Riesen nur ein Abklatsch vom Vorjahr oder ein erfolgsversprechender Hit ist.
 
Sieht man die Menüübersicht des Spieles, so denkt man, dass es kaum neue Modi gebe, wenn man vom neuen Playoff-Modus und dem direkten Stanley-Cup-Finale absieht. Das ist allerdings eine Fehlansicht, denn schaut man sich den neuen GM-Modus, den Be-A-Pro-Modus sowie den Saison-Modus an, merkt man, dass sich an den Modi einiges getan hat. Im Be-A-Pro-Modus merkt man die größten Veränderungen, denn nun müsst ihr euch nicht schon vorher zwingend für einen Verein entscheiden, für den ihr spielt, sondern ihr seid automatisch im Draft drin – die Chance für jeden Youngster einen Verein zu finden. Nach einem Spiel, in dem sich die Hoffnungsträger der Zukunft zeigen können, erhaltet ihr in der Regel auch schon ein Angebot. Der klassische Be-A-Pro-Modus vom Vorjahr ist natürlich auch wieder anwählbar.

 

Aber auch der GM-Modus hat einen großen Feinschliff bekommen. So müsst ihr Entry-Drafts durchführen, nur ihr sitzt am Manager-Tisch, anders als im Be-A-Pro, wo ihr die Rolle des Spieler annehmt. Zudem müsst ihr dauerhaft mit anderen Vereinen im Kontakt bleiben und für einen guten Ruf sorgen, denn je besser euer Ruf, desto mehr Handys habt ihr zur Verfügung. Mehr Handys sind gut, weil ihr mit ihnen mit mehreren Managern von anderen Vereinen gleichzeitig Verhandlungen durchführen könnt.

Zum Saison-Modus brauche ich nicht viel zu sagen. Nun gibt es endlich die Möglichkeit, eine DEL-Saison und das noch mit aktuellen Kadern aus der Saison 2009/2010 zu starten. Der Kritikpunkt vom letzten Jahr, wo noch Kader aus der Vorsaison vorhanden waren, ist somit gefixt. Klasse EA!

 
Schnell abgehandelt ist die Spielbarkeit auf dem Eis, da es kaum Neuerungen gibt und diese zum Teil überflüssig oder gar unnötig sind. Grundlegend lässt sich sagen, dass das Spiel eine klein wenig verbesserte 2009er-Version ist – und diese ähnelte schon stark der 2008er!
Der erste Kritikpunkt beginnt bei den Faceoffs, auch bekannt als Bullys. Ersteinmal kann man keine fehlerhaften „Anstöße“ machen, sodass man die ganze Zeit „A“ drücken kann, ohne dass es irgendeine Konsequenz nach sich zieht, dennoch muss irgendetwas „realistischeres“ bei den Bullys eingebaut sein, denn nach ca. 15 Spielstunden habe ich sage und schreibe einen Faceoff gewonnen. Wenn es pro fünf Minuten ca. 10 Bullys gibt, kann man sich die Quote mal ausrechnen. Hier hätte alles erstmal beim alten bleiben sollen.
Neutral hingegen sehe ich der Möglichkeit gegenüber, nach dem Schiedsrichterpfiff noch kleine Raufereien anzufangen, die, wenn die Regeln auf „Authentisch“ eingestellt sind, in der Regel mit zwei Strafminuten geahndet werden. Dies ist zwar ganz nett, aber spätestens nach der fünften Rauferei hat man keine Lust mehr darauf und lässt es bleiben. Genauso sieht es mit den neuen Schlägerreien aus, wo man denkt, man selber wäre in der Schlägerei verwickelt, weil man nur den Kämpfer Gegenüber sieht. Das ist ebenfalls sehr nett, aber ich möchte statt einiger realistischer Kämpfe lieber realistisches Eishockey haben, was nicht unbedingt der Fall ist, denn die Torhüter sind die letzten Fliegenfänger und lassen sehr viele Chancen zu, zudem gibt es nur einen Schiedsrichter, der auf Abseits, Icing, Penaltys usw. achtet. Hier würde ich mir ebenfalls einen weiteren Hauptschiedsrichter und zwei Linienrichter hinzuwünschen.

Außerdem gibt es nicht genügend Schwierigkeitslevel bzw. sind diese zu komisch eingeteilt. Im Rookie-Modus (der Leichteste) gewinne ich sehr hoch, im Pro-Modus (der etwas Schwierigere) bekomme ich die Hucke voll. Hier nehme ich mir ebenfalls NHL 2K als Vorbild. Würde EA statt in die Fußballspiele mal etwas mehr Realismus in die Eishockeyspiele setzen, würde ich mich mit der NHL-Reihe EA's auch mehr anfreunden. Positiv hingegen ist der Bandenmodus, wo man an der Bande taktisch agieren kann, sehr gut gelungen und bereitet einigen Fun.

Technisch, grafisch, musikalisch und von der Steuerung her ein Toptitel – keine Frage. Hier führt NHL 10 auch ganz klar von NHL 2k10. Grafisch – auch von den Rendern her im Spiel kann ich mich nicht beklagen. Besonders hervor sticht in meinen Augen aber der Soundtrack des Spiels. Zum Teil sind die Lieder zwar älter und nicht unbedingt modern, dafür sind es wahre Eishockey-Hymnen, zumindest in den USA. So kann man „Rock you like a Hurricane“ (Scorpions) oder „Where the Kids in America“ hören, was zusätzlich für Stimmung sorgt.

Besonders gut aber ist die Stimmung in der Arena, besonders in den Playoffs. Hier stehen die Fans auf, wedeln mit ihren Schals und bei jedem Tor ein lauter Jubel. Nicht zu vergessen wären die Lizenzen, denn für alle großen Eishockeyligen der Welt gibt es originale Trikots und alle Spielernamen und Kader sind aktuell und richtig. Klasse.


Die Lizenzen und das tolle Drumherum kann das Defizit auf dem Eis nicht mehr wett machen. Ein wichtiger Punkt ist für mich der Spielspaß – und den bekomme ich nicht, wenn die Torhüter Fliegenfänger sind und das Spiel für 60-70€ noch dem Spiel von vor zwei Jahren ähnelt. Nett sind zwar die neuen Kämpfe, aber das Spiel findet auf dem Eis statt und nicht in zwei bis drei Kämpfen pro Spiel. Es hat fast den Anschein, als hätte EA mehr Zeit in die Programmierung der Kämpfe gesteckt als in Neuerungen – und das ist für ein 70€ Spiel ungenügend! Da dürfte sich eher Take2 einen Preis von 60€ erlauben. Hätte letzteres Spiel diesen Speicher-Bug nicht, wäre es um einiges besser als EA's Titel, so ist es letztendlich nur ein Prozentpunkt. Warum werden Fußballfreunde um einiges besser behandelt?