Ein Mann und sein Truck. Unendliche Weiten - ganz Californien steht dem
Spieler in Form von Highways und Straßen zur Verfügung. Rig 'n' Roll
bietet alles was das Truckerherz begehrt. Von umfangreichen
Tuningmöglichkeiten bis hin zu endlosen Straßen und einer detailierten
Umgebung mit flüssigen Tag und Nacht Wechseln ist alles da. Sogar
verschiedene Radiosender wurden integriert, die das Brummen der Motoren
mit verschiedenen Stilrichtungen von Country über Pop bis hin zum Rock
stimmungsvoll begleiten. Und sogar eine kleine und einigermaßen spannende Story ist im Lieferumfang enthalten.
Klingt alles zu
gut um wahr zu sein? - Ja, leider.
Denn auch wenn oben genannte
Features tatsächlich enthalten sind stolpert RnR dennoch über seine
eigenen Füße. Und selbst die gute Fahrphysik und das umfangreiche
Schadensmodell der Trucks können nicht über gewisse Probleme hinweg
täuschen, die dem Spieler immer wieder begegnen. Mal Werden Gespräche
oder Funksprüche zu schnell oder gar ohne Sound abgespielt. Mal geht die
Atmosphäre flöten weil beim Betreten von verschiedenen Gebäuden wie
Büros und Raststätten jegliche Umgebungsgeräuche fehlen. Und irgendwie
wirken die Reflexionen auf den Lkw und Anhängern wie von Gestern. Auch
fehlen sämtliche Tooltips, die einem zum Beispiel erklären, wie man neue
Fahrer einstellt, oder wie die "Kontrollzentrale" (aka Büro) überhaupt
finktioniert.
Denn hier finden ca. 50% des Spiels statt! In
seinem Büro Kauft man Lkw, man stellt Fahrer ein, gibt diesen
verschiedene Anweisungen, Baut sein Netzwerk an Filialen aus, welche
nötig sind um in immer mehr Lagern Aufträge anzunehmen und dadurch immer
mehr Geld zu schäffeln.
Die anderen 50% bestehen aus dem alt
bekannten Fahre zu einem beliebigen Lager, nimm einen Auftrag an und
bring die Ladung möglichst intakt ans Ziel. Hier punktet RnR jedoch
enorm. Statt einfach nur innerhalb des Tempolimits von A nach B zu
tuckern, nimmt man in 90% der Fälle automatisch an einem Rennen teil,
welche entweder mit oder ohne Anhänger statt finden. Dies lockert das
trockene "Fracht kutschieren" deutlich auf. Denn erstens sind die
Straßen den echten Straßen nachempfunden und kommen somit größtenteils
ohne künstliche Engpässe und S-Kurven aus und zweitens muss man dennoch
darauf achten nicht an der Leitplanke zu enden oder gar falsch
abzubiegen. Achja, Nitro gibt es auch noch für den Truck!
Kommen
wir doch mal zu der lange angekündigten Story. Hier muss man alleine
schon den Versuch loben, das langsam einstaubende Genre der
Truck-Simulationen doch etwas auffrischen zu wollen. Denn die Story ist
wirklich Spannend und abwechslungsreich. Die Charaktere sind auch
einigermasen überzeugend. Leider spürt man hier auch das geringe Budget.
Denn anders als in einem GTA zum Beispiel werden hier die Charaktere
leider von unmotivierten Synchronsprechern vertont, die anscheinend in
Hörspielen ihre Erfahrungen gesamelt haben. Dadurch klingen die Dialoge
teilweise Überzogen und Billig (trotz ausschließlich englischer
Synchro), was einen fast dazu bringt froh über den Bug zu sein, der die
Gespräche gerne mal zu schnell abspielt oder einfach mal abhackt. Um so
größer ist die Leistung einzuschätzen, dass es der Story dennoch gelingt
ein gewisses Interesse und ab und an sogar eine gewisse Spannung zu
wecken. Hätte man nun auch noch ein Autosave hinzugefügt wären die
Frustmomente deutlich geringer ausgefallen. Das Motto lautet "Wenn Game
Over, dann wirklich Game Over!". Schade!
Positiv überrascht hat
mich allerdings die wirklich hübsch, wenn auch grafisch nicht up to
date, daher kommende Umgebung. Nicht nur Berge, Schluchten oder der
Pazifische Ozean sind enthalten, selbst Städte sind als diese zu
erkennen, was bei einigen Genre konkurenten leider oft nicht der Fall
ist. Auch wenn da die "Open Wolrd" an ihre nicht ganz so offenen Grenzen
stößt hat man wirklich das gefühl, in einer realen welt umher zu fahren
und kann tatsächlich ab und an den Blick mal etwas schweifen lassen.