1602, 1503, 1701, 1404: Diese Zahlen haben alle etwas gemeinsam. Zum
einen bilden alle die Quersumme 9, zum anderen ergeben sie alle,
angehängt an das Wort "Anno", jeweils den Titel eines Teils einer
Aufbaustrategiespiele-Serie aus deutschen bzw. ehemals auch
österreichischen Landen. Mit Anno 1404 ist nun der neueste Streich aus dem Hause Releated Designs erschienen, welche seit Anno 1701 die Reihe entwickeln.
Anno 1404
bietet euch eine ca. 20 Stunden lange Kampagne, bestehend aus acht
Missionen, in der ihr geruhsam, aber stets unterhaltsam in die
Spielmechaniken eingeführt werdet. Das ganze dient eigentlich eher als
Turtorial, jedoch weiß das Missionsdesign stets zu gefallen. Ständig
passiert etwas neues, was zum Weiterspielen motiviert. Profis werden
sich jedoch, zumindest zu Beginn, unterfordert fühlen. Erst die letzten
drei bzw. vier Missionen werden etwas anspruchsvoller. Doch das sollte
kein Grund dafür sein, als Anno-Experte sich nicht mit der
Kampagne zu befassen, da diese, wie gesagt, sehr schön gemacht ist. Die
Geschichte um einen angeblich vom Kaiser ausgerufenen Kreuzzug gegen
den Orient ist dabei zwar sehr klischeehaft und dadurch auch leicht
vorhersehbar, für ein Aufbauspiel aber vollkommen akzeptabel.
Der Kern von Anno
ist aber nach wie vor eh das Endlosspiel. Und dieses ist im neuesten
Serienspross besser denn je, aufgrund der zahlreichen Neuerungen des
Spiels. So gibt es zum einen viel mehr Warentypen, zum anderen mit dem
Orient eine gänzlich neue neutrale Fraktion, deren Technologien ihr
euch zu Nutze machen könnt. In dem ihr in der Gunst des Großwesirs
steigt, schaltet ihr spezielle Orientgebäude frei. Diese könnt ihr auf
südlichen Inseln errichten, um dort beispielsweise Gewürze anbauen zu
können, welche für das Wachstum eurer Hauptsiedlung enorm wichtig sind.
Doch nun geht es nicht nur darum, in den südlicheren Gefilden reine
Produktionsstätten zu errichten, sondern auch ganze Orientsiedlungen
mit eigener Nomaden-Bevölkerung, welche eigene Bedürfnisse haben. Der
Aufbau einer orientalischen Stadt ist zwar lange nicht so komplex und
umfangreich wie der einer westlichen Siedlung, doch dadurch wirkt das
Spiel auch nicht überladen. Insgesamt betrachtet ist dieses Feature
eine sinnvolle und erfrischende Neuerung, welche neuen Wind in die Anno-Reihe bringt.
Das
gleiche gilt auch für das neue Ruhmsystem. Durch Nebenaufträge, die
euch die neutralen Fraktionen erteilen, erhaltet ihr Ruhmpunkte, welche
ihr gegen bestimmte Items, welche eure Siedlung oder eure Schiffe
verbessern, eintauschen. Die Palette an Nebenquests reicht dabei von
einfachen Kurierfahrten über den auszuführenden Begleitschutz von
Schiffen bis hin zu wimmelbildartigen Suchspielen in der eigenen
Siedlung. Die Missionen lockern das Endlosspiel enorm auf, sorgen für
Abwechslung und sorgen unter anderem auch dafür, dass man so gut wie
nie Leerlauf im Spiel hat. Langeweile kommt in Anno 1404 nicht so schnell auf.
Sehr
schön gelungen ist auch der Hafenausbau. Hattet ihr in den Vorgängern
so gut wie keine gestalterischen Möglichkeiten im Bezug auf den Bereich
rund um das Kontor, könnt ihr euch im neuen Teil der Serie nun so
richtig austoben. Ihr könnt Kaimauern errichten, welche weit auf das
Wasser hinaus reichen und diese mit einem Reperaturkran für eure
Schiffe oder natürlich auch Wachtürmen bebauen. Wer also seine Siedlung
so schön wie nur möglich machen will, hat nun also auch an der Küste
einiges zu tun.
Habt ihr nach etlichen Spielstunden die
höchste Zivilisationsstufe erreicht, unglaublich viel Gold erspielt und
eures Erachtens nach sämtliche Gebäude errichtet, ist das Spiel jedoch
noch lange nicht vorbei. Dann kommen nämlich die Monumentalbauten ins
Spiel, darunter zum Beispiel der Kaiserdom oder die Speicherstadt.
Diese kosten Unmengen an Ressourcen und müssen erst in mehreren Stufen
erbaut werden, sprich: Die Gebäude stehen nicht mit einem Klick
komplett fertig in eurer Siedlung wie die anderen kleineren Bauten.
Sind die Monumentalgebäude einmal komplett errichtet, sehen diese
allerdings nicht nur toll aus, wie beispielsweise das Schloss im
Vorgänger mit all seinen Erweiterungen, sondern bringen auch
spielerische Vorteile. Die Speicherstadt zum Beispiel erhöht eure
Lagergröße um ein dreifaches. Eine sehr schöne Neuerung, wie wir
finden, die die Langzeitmotivation enorm erhöht.
Apropos
Langzeitmotivation: Zum ersten Mal in der Serie gibt es auch
Achievements, welches es zu erspielen gilt. Davon gibt es über 200
Stück und diese sind nicht nur selber eine Belohnung für euch, sondern
bringen euch auch noch eine virtuelle Währung ein, die ihr im Hauptmenü
gegen neue Inhalte eintauschen könnt, darunter zum Beispiel neue Wappen
für euer Spielerprofil.
Obwohl Anno 1404 natürlich ein
eher ruhiges Aufbauspiel ist, könnt ihr natürlich auch nach wie vor
Krieg führen. Dies hat sich allerdings im Vergleich zu den Vorgängern
enorm geändert, zumindest die Landkämpfe. Die Seeschlachten spielen
sich nach wie vor genau so, wie bisher auch schon. Das Erstürmen einer
gegnerischen Siedlung funktioniert jedoch nun gänzlich anders. So
steuert ihr keine einzelnen Soldaten mehr, sondern ganze Truppen.
Dadurch lassen sich die Kämpfe viel besser kontrollieren, als
beispielsweise noch in Anno 1701. Die KI scheint damit jedoch
nicht ganz so gut klar zu kommen. Agieren die Computerspieler in den
Bereichen Diplomatie und Siedlungsaufbau noch relativ intelligent, sind
sie im Krieg führen eher weniger gut. Anstatt zum Beispiel mit den
eigenen Truppen wichtige Produktionsgebäude oder, noch wichtiger, die
gegnerischen Soldaten zu attackieren, widmen sie sich lieber der
Stadtmauer. Hier ist die KI also definitiv noch ausbaufähig.
Sehr
gut hinbekommen hat man aber auch wieder die Bedienung. Das Interface
wirkt nicht überladen und es gibt einige nette Komfortfunktionen. So
gibt es nun zum Beispiel auch eine Aktionsleiste am unteren
Bildschirmrand, ähnlich wie in World of Warcraft, die ihr mit
Gebäudeicons betücken könnt. Sehr praktisch! Releated Designs hat hier
nochmal einiges getan, um die Bedienbarkeit und somit auch nochmal um
ein weiteres die Spielbarkeit enorm zu verbessern.
Kommen wir zum, wörtlich gemeint, schönsten Aspekt von Anno 1404:
Der Grafik. Diese ist einfach nur wunderschön. Die Städte sind
unglaublich detailliert, überall laufen kleine Menschen durch die
Gegend, die tatsächlich auch mal nicht halb so groß wie ein ganzes
Gebäude sind - die Größenverhältnisse stimmen also tatsächlich mal
enigermaßen. Dazu kommt noch das wunderschöne Wasser, scharfe Texturen
und schicke Lichteffekte. Man kann tatsächlich allein zehn Minuten
damit verbringen, nur zuzugucken.
Auch akkustisch macht das
Spiel alles richtig. Die Sprecher sind sehr gut und die Musik ist ein
wahrer Ohrenschmauß für Fans von orchestralen Klängen. Das, in
Verbindung mit der Grafik, sorgt dafür, dass man oft einfach nur
dasitzt und sich sagt: "Schön! Einfach nur schön!"
Insgesamt betrachtet muss man einfach sagen, dass Anno 1404
das nicht nur beste Aufbaustrategiespiel ist, dass man derzeit kaufen
kann, sondern auch überhaupt das beste Spiel, was ich seit langem
gespielt haben. Nach einer langen Zeit ist es mal wieder einer von den
Titeln, die wirklich sehr nah dran sind, perfekt zu sein. Ich bin mir
nicht ganz sicher, aber ich glaube das letzte Spiel dieser Art, was ich
gespielt habe, war Super Mario Galaxy.
Anno 1404
bietet einfach fast alles, was das Herz begehrt. Es ist umfangreich,
sieht toll aus, hört sich toll an, ist leicht zu erlernen und wird
später schön komplex, aber nie unglaublich schwer, die
Langzeitmotivation ist enorm hoch und Bugs gibt es augenscheinlich
keine. Das einzige was fehlt, was man wirklich vermisst, ist ein
Multiplayer-Modus. Dieser ist leider nicht vorhanden, dürfte aber mit
einem Add-On, welches bestimmt kommen wird, nachgeliefert werden. Für
Multiplayer-Fans dürfte das jedoch schon eine Enttäuschung sein.
Nichtsdestotrotz: Anno war aber auch schon immer eher ein
Singleplayer-Spiel. Man kann wochenlang spielen und es wird nie
langweilig. Kurzum: Wer auch nur ein Fünkchen Interesse an
Aufbauspielen hat, muss Anno 1404 kaufen. Denn es ist ein Spiel, das eine Qualität besitzt, welche man nur selten geliefert bekommt.